illustration
 

 

Geschichten & Mätzchen



Viele interessante Geschichten und Anekdoten sind im Umkreis der Bamberger Bäcker und ums Bamberger Hörnchen entstanden. Wir haben einige hier zusammen getragen und wünschen Ihnen Spaß beim Lesen (vielleicht mit einer Tasse Kaffee und natürlich einem schönen Bamberger Hörnchen).

„Ordnung muss sein“ von 1630
Die „Pfisterstrafe“ und ihre Folgen
„Lustige“ Gesellen und ihre Löhne
Die Becken-Marter
Für Spießgesellen: Waffen tragen verboten
Harte Zeiten für das Bäckerhandwerk
Der Bamberger Hörnchenkrieg
Bäckerchor

„Ordnung muss sein“ von 1630

Eine historische berufständische Ordnung regelt in 35 Paragraphen und einem Nachsatz den gesamten Zunftbetrieb: Lehrlingsausbildung, Lehrzeiten, Löhne, Inhalte der Ausbildung, Meisterprüfung – ein paar delikate Auszüge:
„Es soll keiner zum Meister genommen werden, wenn der nicht Ansitz nachweisen kann, nicht in ehelichem Stand lebt oder keinen öffentlichen Brautzug zur Kirche gehalten hat.“
„Für den Fall, dass ein Meister eine Hitze verdirbt, hat er dieses Vergehen geziemend den Viermeistern zu melden. Sollten diese das Verbrechen zu milde beurteilen, haben Oberschultheiß, Bürgermeister und Rat das Urteil zu sprechen, ob das Brot verkauft werden darf oder nicht, ob es ins Brothaus oder auf den Markt kommen darf.“

nach oben


Die „Pfisterstrafe“ und ihre Folgen

Der Reformprediger Johannes Capistran (1386 bis 1456) war 1451 nach Bamberg gereist und eine große Volksmenge war herbeigeströmt, um ihn zu hören. Die Bäcker in der Stadt hatten aber entgegen dem bischöflichen Befehl nicht genügend Brot gebacken, so dass es Verpflegungsschwierigkeiten gab. Jeder Beck, der zu wenig Brot hatte, ist vierzehn Tage lang auf einem Stadtturm eingesperrt worden. Während dieser Inhaftierung wurde zudem verordnet, dass auch Ehefrauen und Kinder der Bäcker sowie ihrer Gesellen und Knechte „ungebacken“ bleiben mussten, das heißt, auch von Ihnen durfte nicht gebacken werden. Im Gegenzug ist den Landbäckern aber gestattet worden, sieben Wochen lang in der Stadt ihre Backwaren zum Verkauf anzubieten. Dies war auch der Anfang des Brotverkaufs mit Karrenbecken, der bis 1938 anhielt.1983 wird schließlich das Hausieren mit Brot durch das Bamberger Ordnungsamt eingestellt.

nach oben


„Lustige“ Gesellen und ihre Löhne

Auszug aus dem Kassen- und Protokollbuch der Bäckerinnung Bamberg zur Entlohnung von Gesellen, Eintrag von 1919.
„Die Arbeitszeit beträgt täglich zusammenhängend acht Stunden.“
„Der Lohn beträgt im 1. Gehilfenjahr 65 Mark pro Woche, danach 75 Mark, für verantwortliche Gehilfen 85 Mark.“
„Die Lohnsätze verstehen sich außer Kost und Logis, jedoch wird Frühkaffee und Brot zum Selbstgebrauch gewährt.“

nach oben


Die Becken-Marter

Bodenständiges Handwerk hat in Bamberg schon immer eine bedeutende Rolle gespielt und war Grundpfeiler der städtischen Gesellschaft. Seine Vertreter stellten einen gewichtigen Bevölkerungsteil dar, neben dem Klerus, den Bürgern und den Gärtnern, was eine Besonderheit Bambergs ist.
Ein monumentaler Bildstock, die so genannte Becken-Marter, ist um 1700 deshalb in der Egelseestraße entstanden und soll seitdem an die Bäckerzunft erinnern. Sie ist über zweieinhalb Meter hoch und einen Meter breit. Das Sockelfeld zeigt das Bäckerwappen, eine gekrönte Breze, die von zwei Löwen gehalten wird und trägt zu deutsch (Original lateinisch) die Losung: „Diese Denkmal wurde zu Ehren des Hl. Joseph, Nährvater Christi, errichtet“ Gestiftet hat sie damals ein gottesfürchtiger Bäckermeister, der namentlich unerwähnt bleiben wollte.

nach oben


Für Spießgesellen: Waffen tragen verboten

Originalwortlaut eines städtischen Erlasses aus dem Jahre 1682:
„Nachdem man missfällig vernommen, dass die allhiesigen Handwerksgesellen täglich mit ihrem Degen spazieren gehen und nächtlicherweil verschiedene Imolentia verüben, dergleichen Degen tragen aber in anderen Städten den Handwerksburschen nicht gestattet ist, also bey allhiesiger Residenzstadt auch billig abzuschalten ist.“

nach oben


Harte Zeiten für das Bäckerhandwerk

Erhebliche Preissteigerungen für die Betriebe (Mehlpreiserhöhung, Energiekosten, steigende Löhne) und dem gegenüber Billig-Angebote in Kaufhäusern und –märkten sorgen bei den Mitgliedern der Bäckerinnung für große Besorgnis. Am 22. Januar 1963 referiert der Obermeister über die große Werbeaktion „Brot, Kraftstoff des Lebens – vom Bäcker“. Daraufhin werden 50.000 Brotmanschetten mit diesem Slogan bestellt. Plakat- und Zeitungswerbung Schaufensterdekorationen, Breitwanddias in Kinos sollen die Kunden zur Rückkehr zu den Meisterbetrieben veranlassen, eine ähnliche Aktion wir 1965 wiederholt. 1970 beginnt das Bäckerhandwerk bayernweit mit Imagewerbung, für die die Betriebe je nach Größe belastet werden.

nach oben


Der Bamberger Hörnchenkrieg

Immer wieder gab es Stimmen, dass Bamberger Hörnla auch mit Margarine oder Ähnlichem gebacken werden könnten, was schließlich zu einem Streit in der Bevölkerung und der Bäckerinnung führte, der in einen spektakulären Prozess mündete. Das Landgericht Bamberg stellte daraufhin im Jahr 1977 schließlich fest: „Bamberger Hörnchen müssen mit reiner Butter gebacken werden.“

nach oben


Bäckerchor

Der Bamberger Bäckerchor, gegründet 1902 aus dem Bäckermeisterchor und dem Bäcker-Gehilfengesangsverein, ist der einzige berufsständische Chor, den es noch in Oberfranken gibt. Bäckermeister Alfred Seel jun. engagiert sich auch hier sehr stark – er singt II. Tenor – und ist in die stimmlichen Fußstapfen seines Vaters getreten.

nach oben

(Quellen: „100 Jahre Bäckerinnung Bamberg 1887 bis 1987 “ – Schrift von Alfred Seel sen.; „600 Jahre Bamberger Bäckerhandwerk, 1000 Jahre Bamberg“, Festschrift von Alfred Seel sen. und der Bäckerinnung Bamberg-Stadt, Stadtarchiv Bamberg)

 

 

E-Mehl | Impressum